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Praxiserfahrungen mit Wetterfunk und Wetterfax
auf der Segelyacht LUV

Der Artikel wurde im "Palstek Heft 1/2001 veröffentlicht (http://www.palstek.de).

In den vergangenen Jahren wurde im Palstek wiederholt über den Empfang von Wetterfunk und Wetterfax berichtet.

Der Artikel im Palstek 5/2000 Seite 92 "Experten antworten" hat sich der Autor Martin Reincke zum Funkempfänger Nasa HF3 und Lowe HF 150 geäußert.

Ich denke, dass diese Expertenmeinung nicht von der Praxis des Wetterempfangs getragen ist und Palstekleser beim Kauf eines Wetterempfängers verunsichert werden.

Der Autor Dieter Homeier, der über Wetterfax im Palstek 05/98 ausführlich berichtete, zeigte den Lesern des Palstek, dass auch der billige Empfänger HF 3 alle Anforderungen des Empfanges von Text-Wetterberichten (RTTY) und Wetterkarten (Wetterfax) voll auf genügt.

Anlässlich eines gut besuchten Workshops auf der Hanseboot 1999 hatte ich Gelegenheit, mit dem Autor Herrn Homeier Erfahrungen auszutauschen.

Es gibt neben dem Rundfunk/ Revierfunk mehrere Möglichkeiten auf dem Schiff an Wetterinformationen zu gelangen.

  1. Teuere Gerätschaften in Verbindung mit Programmen von kommerziellen Anbietern
    Über diese Möglichkeit wurde bereits im Palstek 03/99 auf den Seiten 70 bis 79 berichtet.
    Nachteil dieser Variante ist meist, dass die Anbieter mehr versprechen als am Ende geboten wird, der hohe Preis und das der Empfang häufig auf bestimmte Frequenzen und Systeme (Textbericht oder Karte) eingeschränkt ist. Für jedes einzelne System wird der Käufer reichlich zur Kasse gebeten.
    Der Vorteil besteht aber darin, dass vom Nutzer keine Kenntnisse über Internet, downloaden von Programmen und Einstellungen der Programme abverlangt werden.
     
  2. Kommunikation über Mobiltelefon mit Modem und Computer.
    Diese Möglichkeit wird in Heimatrevieren zunehmend Verbreitung finden, vor allem wenn die Übertragungsrate für Daten über den Mobilfunk deutlich schneller werden

    Bewährt haben sich ein Handy mit eingebautem Modem und Infrarotschnittstelle.


    Bild 1

    Das Handy legt man neben den PC (Bild 1) und nach einigen Einstellungen im DFÜ-Netzwerk kann es schon losgehen. Der PC muss dann selbstverständlich auch eine Infrarotschnittstelle besitzen. Handys mit Infrarotschnittstelle und Modem sind bei Abschluss eines 2-Jahresvertrag für etwa 70 € zu bekommen.
    Der Empfang des Wetterberichtes des DWD aus dem Internet (http://www.dwd.de/de/WundK/W_aktuell/Seewetter/Seewetter.htm) dauert über Modem und Handy rund eine Minute. Als Startseite im Browser stellt man diese Seite als Voreinstellung ein. Da es sich nur um eine Textdatei handelt, wird diese auch über die langsame Handyverbindung in Verbindung mit einem PC schnell heruntergeladen.


    Das geht nur dann so schnell, wenn man einen Provider wählt, der nicht mit einer automatischen Startseite und Werbebannern nervt.
    Auch Wetterkarten des DWD lassen sich aus dem Internet (http://www.wetterzentrale.de/pics/dwdanal.html) herunterladen. Die Grafik erfordert jedoch eine Ladezeit über Handy und PC von rund 4 - 5 Minuten.
    Aber im Ausland und auf hoher See ist dieses Verfahren nicht praktikabel. Die Verbindungsgebühren der Funktelefone im Ausland nach Deutschland sind unerträglich hoch.
     
  3. Die bis auf die Geräteausstattung kostengünstige Variante besteht aus Laptop und Funkempfänger plus einer einfachen Drahtantenne
    Die Software kann man aus dem Internet herunterladen. Wenn sie dem Skipper gefällt kann er diese gegen Zahlung einer Registriergebühr, die im Verhältnis zu kommerziellen Anbietern deutlich günstiger zu haben ist, registrieren lassen.

Zur Geräteausstattung

 

Die Software

Funkfernschreibempfang (RTTY) - Textwetterberichte

Die Software kann man sich aus dem Internet herunterladen.

Gut eignet sich die Freeware: Blaster TeLetype (BTL - Bild 5) von Robert Glassey


Bild 5

 

(http://www.geocities.com/SiliconValley/Heights/4477/index.html#top).

Das Programm läuft unter DOS und unter Windows.




Die Einstellung: für Shift = 425 (bzw. 90 bis 100 für DWD 147.3 kHz), Baud = 50 und Centr = 1360 und schon kann es losgehen.
Am Weltempfänger sind die Frequenzen 4583 oder 7646 kHz einzustellen (DWD Funkfernschreibausstrahlung).

Den Sendeplan kann man aus dem Internet unter (http://www.dwd.de/de/wir/Geschaeftsfelder/Seeschifffahrt/Sendeplaene/index.htm) abrufen.

Am Weltempfänger schaltet man auf SSB (BFO=on) und stellt den BFO-Regler so ein, dass im oberen Bereich zwei Balken möglichst weit von der Mittelstellung hin und her wandern. Die Einstellung des Lautstärkepegels zeigt der darunter liegende Balken im Programmfenster (Bild 5).

Wenn das funktioniert, dann empfängt man seine ersten Texte.

Wie auch im Rundfunk werden nicht ständig Wetterberichte gesendet.

Besonders von Interesse ist der vom DWD um 11.36 Uhr (UTC) ausgestrahlte Mittelfristwetterbericht für die Ostsee mit der Wetterlage und der Prognose für 5 Tage in Zeitreihenform. Zwischendurch werden diverse verschlüsselte Wettermeldungen von Wetterstationen gesendet. Dabei handelt es sich um Zahlenkolonnen in regelmäßiger Folge. Wer dort anstelle von Zahlen Buchstaben auf dem Bildschirm empfängt, der hat vermutlich USB und LSB (unteres und oberes Seitenband) vertauscht. Der BFO-Regler ist entsprechend nachzuregeln.
Dem niedrigen Preis entsprechend arbeitet ein Weltempfänger nicht so frequenzstabil wie ein Funkempfänger der besseren Klasse. Durch ein manuelles Nachregeln kann das ausgeglichen werden.

Ein Spitzenprogramm und deshalb nicht kostenlos ist RITTY von Brain Beezley.

 

Faksimile Empfang - Wetterkarten

Für den Empfang von Wetterkarten eignet sich das Programm JVComm32 von Eberhard Backeshoff. Unter der Adresse (http://www.jvcomm.de/indexd.html) kann man es aus dem Netz downloaden.

Das nicht registrierte Programm ist voll funktionsfähig, nur die Schrift DEMO enthält die empfangene Karte. Die Registrierung kostet beim Autor 60.00 €.

Die ausführliche Bedienungsanleitung ist in Deutsch verfasst.

Nach der Installation ist eine sogenannte Schräglaufkorrektur einmalig am Rechner vorzunehmen.


Nach dem man die Frequenzen 3855 bzw. 7880 kHz am Empfänger eingestellt hat, kann der Empfang der ersten Karte beginnen.

Der Ton des Wetterkartensignals hört sich wie ein rhythmisches Kratzen an. Je mehr schwarz die Karte enthält, desto lauter ist der "kratzende" Ton.
Im Programm muss als Typ "Fax" und als Modus HF-Fax eingestellt werden. Alles andere funktioniert automatisch.

Zu Beginn wird ein charakteristisches Einphasesignal und am Ende der Karte ein weiterer Signalton gesendet, an dem das Programm erkennt, dass es die Aufzeichnung stoppen und die Karte speichern soll. Die Datei wird als Namen mit Datum und Zeit des Empfangs gespeichert. Die manuelle Steuerung des Beginns des Kartenempfangs ist auch möglich.

Die meisten Karten sind nach 11 Minuten auf dem Bildschirm. Lediglich der Empfang der Bodenanalyse dauert 19 Minuten. Die Bodenanalyse wird vom DWD um 06-30 Uhr GLZS (Sommerzeit) 09-43 Uhr GLZS wiederholt.

 

Abschließend noch eine Bemerkung zum Drucken:

Zum Drucken hat sich an Bord bestens der kleine Tintenstrahldrucker BJ 30 von Canon bewährt (Bild 6).

Bild 6

Die kleinen Abmessungen (300 x 157.6 x 57 mm) und die Möglichkeit ihn direkt ohne Adapter an das 12V Bordnetz anschließen zu können eignet sich dieser Drucker besonders für den Gebrauch auf einer Segeljacht.
Er arbeitet auch in Hochkantstellung an der Wand befestigt (rechts im Bild 6) ohne Probleme.
Ob der Skipper einen Drucker für rund 200.00 € an Bord braucht muss jeder für sich entscheiden.

 


Zusammenfassung

Der Empfang von Wetterdaten in Funkwellen über Weltempfänger und Laptop ist eine interessante preiswerte Variante, um auch auf See an Wetterdaten zu gelangen.

Vom Benutzer wird etwas Erfahrung beim Umgang mit PC und Internet vorausgesetzt. Einige Konfigurationen erscheinen dem Einsteiger schwierig, besonders weil die Hilfen in den Programmen zumeist in englischer Sprache vorliegen.

Man kann das ganze an langen Winterabenden mit Laptop und Weltempfänger zu Hause ausprobieren (Bild 3) und wenn man die erste Karte oder den Textbericht auf dem Bildschirm empfangen hat, macht es sicher Spaß.
Große Hilfestellung bietet das Internet, angefangen von Frequenzlisten bis zu speziellen Problemlösungen.

Bild 3

 









Zusammenstellung von Internetseiten zum Themenkomplex

BTL: http://www.geocities.com/SiliconValley/Heights/4477/index.html#top

Jvcomm32: http://www.jvcomm.de/indexd.html

Soundblauster: http://www.muenster.de/~welp/sb.htm

Hf-Fax: http://ourworld.compuserve.com/homepages/HFFAX/

Faxplan: http://www.dwd.de/de/wir/Geschaeftsfelder/Seeschifffahrt/Sendeplaene/index.htm

Telexplan: http://www.dwd.de/de/wir/Geschaeftsfelder/Seeschifffahrt/Sendeplaene/index.htm

DWD Faxkarte: http://www.dwd.de/de/wir/Geschaeftsfelder/Seeschifffahrt/Sendeplaene/index.htm

Bracknell - Faxkarte: http://www.infomet.fcr.es/metoffice/mapa3.gif

Esys-org: http://www.esys.org/wetter/wetter.html

 

©2006 Thomas Strese

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